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Bio + Fair
  • 12.10.2015

Verantwortung für Natur & Mensch

Immer mehr fair gehandelte Produkte stammen zugleich aus biologischer Landwirtschaft. Die Nachfrage nach der Kombination von Bio und Fair nimmt zu. So geben laut einer aktuellen repräsentativen Bevölkerungsumfrage1 über 70 % der befragten Biokäufer an, Bio-Lebensmittel zu kaufen, weil diese gleichzeitig oft fair gehandelt werden. Bio und Fair haben zwar unterschiedliche Prioritäten, jedoch ergänzen sie sich gegenseitig.

Worin sich Bio & Fair unterscheiden

Die biologische Landwirtschaft wird als lebendiger und nachhaltiger Stoffkreislauf zwischen Pflanze, Tier, Mensch und Betrieb betrachtet. Im Fokus steht eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft, die durch umfangreiche, europaweit gültige Vorschriften von der Produktion bis zur Kennzeichnung geregelt ist. Eine artgerechte Tierhaltung und der Verzicht auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie auf Gentechnik ist zwingend vorgegeben. Auch wenn der Ökolandbau ganzheitliche nachhaltige Wertvorstellungen hat, so fehlen bislang Vorgaben, die den Bauern soziale Gerechtigkeit und faire Handelsbeziehungen garantieren.

Der Faire Handel konzentriert sich auf die sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeitsaspekte. Verschiedene Faire Handelsorganisationen wie beispielsweise die GEPA unterstützen die Bauern in den Schwellen- und Entwicklungsländern, indem sie sich für gerechte Löhne, soziale Arbeitsbedingungen und faire Handelspartnerschaften einsetzen. Ökologische Aspekte waren jedoch lange Zeit nachrangig.

Ein weiter Unterschied liegt darin, dass die Begriffe "bio" und "öko" geschützt sind und nur Lebensmittel diese Bezeichnungen tragen dürfen, die die Vorschriften der EU-Öko-Verordnung erfüllen. Der Begriff "Fair" ist hingegen nicht geschützt, da es keine gesetzlich geregelten Richtlinien gibt.


Bio & Fair Einkaufen

Das Siegel für fairen Handel Faire Produkte erkennen Verbraucherinnen und Verbraucher an dem internationalen FairTrade- Siegel. Dieses Siegel steht für Fairen Handel und wird in Deutschland von dem unabhängigen Verein TransFair e.V. an die Partnerfirmen vergeben, die sich der Einhaltung der Fairtrade-Standards verpflichten. Aktuell werden etwa drei Viertel der Produkte mit dem Fairtrade-Siegel zugleich nach EU-Bio-Standards produziert2. So stammt etwa jede zweite in Deutschland angebotene Bio-Banane aus Fairem Handel und knapp drei Viertel des Fairtrade-Kaffees ist zugleich bio. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren von der Kombination Bio & Fair, denn es wird zunehmend leichter, sowohl ökologische als auch faire Lebensmittel zu erhalten. Bisher tragen die meisten Produkte, die nach ökologischen und fairen Kriterien produziert wurden zwei Siegel: das europäische Bio-Siegel und das Siegel einer fairen Handelsorganisation.

Das erste Siegel, das die Einhaltung von Öko- und Fair-Kriterien in einem beinhaltet, vergibt der Bio-Anbauverband Naturland seit 2010. Nur Lebensmittel, die die strengen Bio-Auflagen mit den Naturland-Fair-Richtlinien kombinieren, dürfen dieses tragen. Für tropische Produkte, wie z. B. Kaffee oder Schokolade, wurden Verträge mit Unternehmen geschlossen, die öko-faire Waren importieren. Zusätzlich deckt das Siegel auch fair produzierte Produkte aus weiteren Regionen ab. So werden erstmals auch Fair-Kriterien für deutsche Bauern berücksichtigt.


Bio & Fair – ein Prozess der Ergänzung und Annäherung

Seit dem Einstieg der Discounter in den Bio-Markt ist der Umsatz an Bio-Lebensmitteln stark gewachsen. Die dort meist günstigeren Preise von Bio-Waren sind nur aufgrund der großen Produktionsmengen möglich. Sie erfüllen zwar die EU-Öko-Kriterien, jedoch unterscheiden sie sich bei den Arbeitsbedingungen in der Produktion oder den Handelsbeziehungen in der Regel kaum von konventioneller Ware. Da Verbraucherinnen und Verbraucher an Bio-Produkte insgesamt höhere Erwartungen haben, werden mittlerweile zunehmend mehr Bio-Lebensmittel auch unter Einhaltung von Fair-Kriterien produziert. So bieten mittlerweile auch Discounter vereinzelt Bio-Lebensmittel wie Bananen oder Schokolade an, die zugleich ein Fair-Siegel tragen.

Umgekehrt werden auch für den fairen Handel ökologische Aspekte immer wichtiger. So wirkt sich beispielsweise der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel nicht nur positiv auf die Umwelt aus, sondern hat auch einen Mehrwert für die Bauern, indem deren Gesundheit besser geschützt wird. Die internationale Dachorganisation für den Fairen Handel FLO Organisation hat daher Umweltstandards eingeführt. So müssen die Wasserressourcen geschützt oder der Einsatz von Agrochemikalien reduziert werden. Dennoch bleibt es den Bauern überlassen, ob sie nach europäischen Bio-Standards produzieren wollen. Der Grund liegt darin, dass vor allem den ärmsten Bauern die Umstellungshürden zu groß sind. Meist fehlen ihnen finanzielle Ressourcen, das notwendige Fachwissen über den Ökolandbau oder die passenden Rahmenbedingungen wie ein ausreichender Abstand zu benachbarten konventionellen Feldern. Die fairen Handelsorganisationen bemühen sich, ihre Bauern bei der Umstellung auf ökologischen Anbau zu fördern und zu beraten. So erhalten Bauern, die einer Fairtrade-Partnerschaft angehören, einen produktspezifischen Fairtrade-Bio-Zuschlag, der in der Regel bis zu 20 % des Fairtrade-Mindestpreises beträgt. Aktuell sind etwa drei Viertel der Produkte mit Fairtrade-Siegel auch Bio-zertifiziert2.


Quellen:

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